Ein Raum in einem Haus aus der Gründerzeit ist, solange er nicht generalsaniert wurde, eingehüllt von zahlreichen Farbschichten.
Waren es in den letzten Jahrzehnten eher weiße Anstriche, zeigen sich an den Stellen an denen Farbe abblättert die kräftigeren
Farben die bis hinein in die sechziger Jahre gewählt wurden. Noch tiefer sitzen die Leimfarben. Taubenblau, Ochsenblut oder ein
kräftiges Violett sind typisch für die ursprünglichen Beschichtungen. Die Leimfarben bieten den folgenden Dispersionen nur
schlechten Halt und verlocken damit zu einer Freilegung der ursprünglichen Farbigkeit. Oft werden die Schichten der Jahre 1910
bis 2009 entfernt um am Grunde der Wand auf ornamentalen Schmuck aus der Gründerzeit zu stoßen. Als Reminiszenz an die Geschichte
der Gebäude konservieren nicht wenige Bewohner diese Fundstellen und freuen sich an den so gewonnenen Ornamenten.

Statt mit einer quasi archäologischen Freilegung zu Wandschmuck zu kommen, wird Fliesenkleber verwendet. Er wird in Form eines
Frieses an den Stellen auf die Wand aufgebracht, unter denen sich ein alte Friesmuster befinden könnte. Reißt man den Kleber
von der Wand, gehen darunter liegende Schichten mit ab. Haftet der Kleber sehr, wird der Putz herunter gerissen. Haftet er zu wenig,
bleiben nur Kleberspuren zu sehen. Hat man aber Glück, so blättern die Farbschichten mit dem Kleber in Form des Ornaments ab
und geben den Blick auf die ursprüngliche Farbigkeit frei. Das entstehende Ornament simuliert jedenfalls das Original nur.
Die Wahrscheinlichkeit mit dieser Methode das sonst vorsichtig Bewahrte auf Dauer zu zerstören ist hoch. Die Kleberspur selbst
kann dennoch als Raumschmuck wahrgenommen werden.